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View Full Version : Ein Faustschlag und 42 Stunden Verhör



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25-08-08, 20:48
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Germaniye puqrasi (anisi German dadisi Tibet) Florian Gyana Beijingda Tibet bayriqi kutergenligi uchun 42 saet soraq qilin'ghan.



Ein Faustschlag und 42 Stunden Verhör
Der Deutsche Florian Gyana Tshang musste für vier Tage ins Gefängnis, weil er in Peking eine Tibet-Flagge entrollte. Nun ist er zurück - und berichtet.
Von Bernd Dörries




Peking, 21. August: Der Deutsche Florian Gyana Tshang (links) entrollt eine Flagge der tibetischen Exilregierung.
Foto: AP


Florian Gyana Tshang hat sich vorbereitet auf seine Reise zu den Olympischen Spielen. Er hat in einem Anti-Gewalt-Training gelernt, wie man sich bei einer Verhaftung verhält. Er hat überlegt, wie man die tibetische Flagge nach Peking schmuggelt und sich vorzustellen versucht, wie es in einem chinesischen Gefängnis sein könnte. Manches war so, wie er es sich gedacht hatte, manches eher nicht. "Ich hätte nicht erwartet, dass ich gleich Häftlingskleidung anziehen muss", sagt Gyana Tshang. Dafür seien die Verhöre nicht so aggressiv gewesen wie befürchtet.

Am Montagmorgen ist Gyana Tshang zurückgekommen aus Peking, wo er vier Tage lang im Gefängnis gesessen hat, weil er eine tibetische Flagge entrollt hatte. Zurück in Stuttgart hat er seinen Arbeitgeber angerufen, der ihm den Urlaub verlängert hat, die Reise nach Peking dauerte länger als geplant. Gyana Tshang gehört zu den ersten westlichen Menschenrechtsaktivisten, die wegen ihrer Aktionen während der Olympischen Spiele nicht nur aus China abgeschoben wurden, sondern auch ins Gefängnis mussten.

Etwa 16 Stunden ist er am Stück verhört worden, dann noch mal 15 und elf. In der Zelle durfte er nicht schlafen. "Das war nicht schön, die Zeit wurde lang. Aber das war nichts zu dem, was tibetische oder chinesische Aktivisten jeden Tag durchmachen müssen", sagt Gyana Tshang. Der 30-Jährige ist Sohn eines tibetischen Vaters und einer deutschen Mutter, aufgewachsen am Bodensee, arbeitet er in Stuttgart als Softwareentwickler und leitet die deutsche Sektion des Vereins Tibeter Jugend Europa.



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Im März dieses Jahres, als es in Tibet zu Unruhen kam, die von den Chinesen niedergeschlagen wurden, da habe er sich das erste Mal überlegt, während der Olympischen Spiele zu demonstrieren. "Die einfachen Chinesen freuen sich über Olympia, denen sollte man auch die Spiele gönnen." Dem Regime wollte er es allerdings nicht gönnen, China als eine weltoffene Gesellschaft zu präsentieren.

Am 16. August ist er nach Peking geflogen und hat sich ein Hotelzimmer gemietet. Er hat sich in der Stadt umgeschaut und überall Überwachungskameras und Polizei gesehen. "Die Lage der Menschenrechte ist schlechter geworden durch die Spiele, nicht besser wie viele gehofft haben." Im muslimischen Norden des Landes, fernab der Fernsehkameras, sollen 500 Uiguren festgenommen worden sein.

Am Donnerstag ging Gyana Tshang zusammen mit zwei US-Amerikanern und einer Britin zum Nationalstadion in Peking und entrollte dort die tibetische Flagge. "Ich habe die Fahne hochgehalten, sofort wurde ich von zehn Mann angegriffen", sagt Gyana Tshang. Er habe von einem Zivilpolizisten einen Faustschlag ins Gesicht bekommen und sei in einen Bus gezerrt worden. Alles hat nur ein paar Sekunden gedauert.

Insgesamt wurden vergangene Woche zehn Tibet-Aktivisten festgenommen und zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen verurteilt, darunter acht US-Bürger. Die US-Botschaft hatte die Inhaftierungen am Sonntag scharf kritisiert und eine sofortige Freilassung gefordert. Die Bundesregierung hatte sich offiziell nicht zu der Verhaftung von Gyana Tshang geäußert, was seine Schwester in einem Brief an Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) beklagte, ohne eine Antwort zu bekommen.

Das chinesische Außenministerium teilte am Montag mit, die ausländischen Regierungen sollten ihre Bürger doch besser über die herrschenden Gesetze in China aufklären, um derartige Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden.



(SZ vom 26.08.08/vb)